Zum Geburtstag von Elisabeth und Horst
Meinen Glückwunsch an dieser Stelle möchte ich mit einem herzlichen Dankeschön für die vielen schönen gemeinsamen Stunden verbinden. Selbst eine Pause von fast 20 Jahren hat unsere Freundschaft unbeschadet überstanden.
Zu unserem Wiedersehen 1991 fuhr ich mit gehörigem Bammel nach Beckum. Wie würde ich wohl aufgenommen, welche Vorwürfe waren zu erwarten, weil ich mich in dieser Zeit nicht einmal um mein Patenkind (nur an seiner Kommunion hatte ich teilgenommen)gekümmert hatte? Nichts dergleichen, mit großer Herzlichkeit wurde ich begrüßt, und wir gingen miteinander um, als hätten wir uns nur wenige Tage zuvor getroffen. Dabei wären Horst und Elisabeth berechtigt gewesen, mich nicht einmal mehr mit dem „Arsch“ anzugucken. Dies zeigt, wie viel Toleranz und Verständnis die beiden auszeichnet, wenn dies auch im täglichen Umgang nicht immer sofort deutlich wird.
Horst ist mein Cousin. Wir stammen beide aus Solingen, er wohnte Stadtmitte, ich am Rand. Kontakte waren damals auch aus Altersgründen eher selten. Ich erinnere mich daran, dass
er, noch keine 20, eng umschlungen mit einer Blondine aus unserer Straße vorbeischlenderte und dazu bemerkte (in Solinger Platt):“In 3 Monaten heirate ich.“Es dauerte dann doch geringfügig länger, und es war auch nicht die Blondine. Vielmehr kehrte er nach einem Abstecher ins Westfalenland mit Elisabeth als seiner Frau nach Solingen zurück, ein Glücksfall, wie heute noch unschwer zu erkennen ist. Kontakte blieben weiter rar, ich musste erst erwachsen werden.
Doch nach meinem Abitur wurde ich nach Vellern eingeladen, und es begann eine schöne Zeit. Horst und Elisabeth hatten gerade ihre Firma gegründet. Wie Horst damals bemerkte, benötigt ein Genie kein Abitur, was auch ich bejahte, ohne in ihm gleich ein Genie zu sehen. Mich wunderte nur, dass er mit seinem kleinen Büro im Souterrain der Wohnung am Wiesenborn und dem kleinen Lagerraum neben der Kirche sich auffällig oft anhand der Landkarte mit der Ausweitung seines Geschäftsgebiets beschäftigte. Dies konnte ich angesichts des damaligen Minibetriebs nicht verstehen, er aber plante bereits langfristig. Dabei gab es auch schon Geschäftsreisen ins Ausland, an einer in die Benelux-Staaten durfte ich teilnehmen. Vom wirtschaftlichen Erfolg ist bei mir weniger in Erinnerung, im Mittelpunkt stand ein grandioses Abendessen in Amsterdam, indonesisch. Meine Vorliebe für Ketchup war bekannt. Beide sahen mit Vergnügen, wie ich eine scharfe rote Soße, die ich für Ketchup hielt, reichlich über die Pommes goss. Vielleicht hätte mich Elisabeth noch gewarnt, doch wollte sie letztlich Horst die Freude nicht verderben. Dafür musste aber dann auch ihr Bier zur Löschung der mir aus dem Halse schlagenden Flammen dran glauben.
In den Semesterferien war ich dann ständig in Vellern. Es war eine tolle Zeit. Elisabeth war schon immer eine ausgezeichnete Köchin und deshalb ist Essen Horst´s Leibgericht, auch mir schmeckt es immer. Dies führte und führt zu Situationen, in denen Horst seiner chronischen Eifersucht freien Lauf lässt. “Wieso gibst du dem wieder das größere Stück Fleisch“, hab ich
damals oft gehört. Elisabeths stoischer Entgegnung, ich sei doch der Gast, konnte Horst damals und heute erst recht nichts abgewinnen.
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Ähnliches geschah auch beim Halmaspiel, damals der große Renner langer nächtlicher Auseinandersetzungen. Stets verdächtigte Horst Elisabeth, sich mit mir gegen ihn zu verbünden, obwohl die geringe Zahl meiner Siege hierzu keinen Anlass bot. Immer noch ist mir nicht so ganz eindeutig klar, ob diese Eifersucht nur gespielt ist. Auch heute mault Horst des Öfteren, er werde mal wieder zurück gesetzt. Dennoch bin ich „his best loved cousin“, wie mich Horst anlässlich des 60. Geburtstages von Elisabeth den ausländischen Gästen vorstellte. Natürlich konnte er sich den Seitenhieb nicht verkneifen, dass ich mir darauf nichts einzubilden brauche, da ich ja sein einziger Vetter sei (was gar nicht stimmt, er hat noch einen).
Womit aber habe ich diese Ehre verdient, nur weil ich ein Verwandter bin und vom Aussehen
her öfter für einen Bruder gehalten werde? Auch meine handwerklichen Hilfen beim Bau des ersten Hauses am Friedhofsweg können so entscheidend nicht gewesen sein, obwohl mein Beitrag hoch einzuschätzen ist. Für die Drainage, die die Keller immer trocken gehalten hat, habe ich zusammen mit Elisabeths Vater den Weg in den felsigen Untergrund geschlagen. Was das Zerkleinern der Steine anging, lag ich wohl etwas im Hintertreffen, absolut führend war ich aber in der Anzahl der Blasen an den Händen.
Unser wirklich gutes Verhältnis beruht wohl darauf, dass wir uns zu dritt seit meinem ersten Besuch prächtig verstanden haben. Nie war uns langweilig. Dies gilt für Diskussionen,
die Horst mit Opposition aus Leidenschaft stets bereichert, oder gemeinsame Erlebnisse in der Natur, wie zuletzt in Irland. Dabei denke ich an den Aufstieg zum Ben Bulben, den Horst, geschickt Bachläufen und Schafscheisse ausweichend, in schnellem Golfschritt erstürmen wollte, so daß ich außer Puste kurz vor dem Ziel zum Rückzug blies. Unvergessen bleibt auch die Bootsfahrt, die wir bei bestem Wetter begannen. Mitten auf dem See überraschte uns ein heftiges Gewitter, wir mussten auf einer Insel „notlanden“, damit wir noch unsere Brote vor dem völligen Aufweichen verzehren konnten. Elisabeth nutzte die Gelegenheit, ihre Füße in Schafscheisse aufzuwärmen, dann schien wieder die Sonne. Großartig waren daneben unsere Pubbesuche, einmal mit Lifemusik, immer aber mit reichlich Guinness.
Mein Eindruck dürfte nicht falsch sein, dass Elisabeth und Horst(oder auch umgekehrt) sich gesucht und gefunden haben. Sie ergänzen sich vorzüglich und haben stets Aufgaben und Pflichten nach ihren Stärken und Schwächen bestens aufgeteilt. So ist Elisabeth eine vorzügliche Köchin, Horst ein Meister des Abwaschs. Diese Arbeitsteilung habe ich auch schon bei der Kindererziehung erlebt. Als zum Beispiel die –zu dieser Zeit noch- drei Jungen beinahe einen kleinen Hausbrand verursacht hatten, blieben Horst am Abend die strengen Worte, ihr “Fuder“ hatten sie nachmittags bereits von Elisabeth bekommen.
Heute feiern die beiden ihren 140. Geburtstag, was dem Datum nach so in etwa hinhaut. Sie haben mit ihren Kinder, Enkeln und dem ersten Urenkel eine prächtige Familie geschaffen.Für mich ist es ein schönes Gefühl, hin und wieder ein wenig dazugehören zu dürfen. Möge dies noch viele Jahre so bleiben.
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